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Pflasterfugen versiegeln: sinnvoll oder ein Fehler?

Pflasterfugen wirklich dicht zu machen, schadet einer Einfahrt oder Terrasse auf Sand- oder Splittbett mehr, als es nützt, denn das Regenwasser braucht die Fugen zum Versickern. Was viele mit versiegeln meinen, ist eine feste Fuge, die nicht ausspült und Unkraut wenig Platz lässt. Die gibt es wasserdurchlässig. Mit einer Versiegelung der Steine selbst hat das nichts zu tun.

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Was heißt Pflasterfugen versiegeln eigentlich?

Hinter dem Wunsch stecken meist drei verschiedene Dinge. Wer Pflasterfugen versiegeln will, meint eines davon:

  1. Die Fugen mit einem zementgebundenen Mörtel schließen, der nach dem Erhärten kein Wasser mehr durchlässt.
  2. Die Fugen mit einem Material füllen, das fest wird, aber wasserdurchlässig bleibt, etwa einem Mörtel auf Kunstharzbasis oder einem festen Fugensand.
  3. Die ganze Fläche mit einer Versiegelung überziehen, Steine und Fugen zusammen. Das ist ein eigenes Thema, mehr dazu unter Pflastersteine versiegeln.

Für die meisten Flächen ist nur der zweite Weg der richtige.

Dunkles Betonpflaster mit hellen, bis zur Oberkante gefüllten Fugen

Wie kann ich Fugen wasserdicht machen?

Technisch nur mit zementgebundenem, wasserundurchlässigem Pflasterfugenmörtel, und den sehen die Hersteller in der Regel für die gebundene Bauweise vor. Gebunden heißt: Die Steine liegen in einem Mörtelbett auf einer gebundenen, wasserdurchlässigen Tragschicht, nicht auf Sand oder Splitt. Dafür verlangen die Hersteller mindestens 5 mm breite Fugen und eine Fugentiefe von der doppelten Fugenbreite.

Selbst dann wird die Fläche nicht wasserdicht. Ein Arbeitspapier der Berliner Straßenbauverwaltung hält fest, dass auch gebundene Pflasterflächen erfahrungsgemäß niemals dauerhaft wasserundurchlässig sind. Deshalb gilt dort die Fähigkeit, Wasser nach unten abzuleiten, als Grundprinzip der Konstruktion.

Worauf es ankommt, ist Wasser, das zuverlässig wegkommt: oben über das Gefälle, der Rest nach unten durch Fuge und Bettung. Für Terrassenplatten nennt ein Betonsteinhersteller mit Verweis auf die DIN 18318 mindestens 2,5 % Gefälle.

Warum ich Fugen auf Sand- und Splittbett nicht dicht mache

Weil eine starre, dichte Fuge nicht zu einem beweglichen Unterbau passt. Betonsteinhersteller schreiben, dass die gewählte Bauweise in allen Schichten konsequent umgesetzt werden muss und Mischbauweisen nicht fachgerecht sind. Sogar für feste, durchlässige Fugen machen die Hersteller zur Bedingung, dass der Aufbau darunter wasserdurchlässig ist oder mindestens 2 % Gefälle hat.

Aus der Praxis kommt dazu: Liegt eine starre Fuge auf einem Bett, das unter dem Auto nachgibt, bekommt sie Risse. Durch die Risse kommt Wasser hinein, unten aber schlecht wieder heraus.

Drei weitere Punkte sprechen dagegen:

  1. Reparaturen werden teuer. Steine aus gebundenen Flächen sind wegen des anhaftenden Mörtels nicht noch einmal als Pflaster einzusetzen. Wo später gegraben werden könnte, etwa für Leitungen, rät das Berliner Arbeitspapier von der gebundenen Bauweise ab.
  2. Die Abwassergebühr kann steigen. Dazu gleich mehr.
  3. Gegen Unkraut muss die Fuge nicht dicht sein. Es kommt darauf an, dass sie voll ist und keine Erde darin sitzt.

Kosten dichte Fugen mehr Abwassergebühr?

In vielen Gemeinden ja, wenn das Regenwasser in den Kanal läuft. Ein Beispiel aus Bad Saulgau: Die Abwassersatzung vom 22.11.2024 rechnet Pflaster und Platten mit Fugen mit dem Faktor 0,6. Pflasterflächen mit versiegelten Fugen, ausdrücklich etwa mit Zementschlämme, zählen mit 0,9, also wie Asphalt und Beton. Die Niederschlagswassergebühr beträgt für 2025 und 2026 0,63 € je m² versiegelter Fläche.

Einfahrt mit 80 m² Faktor Gebühr im Jahr
Pflaster mit offenen Fugen 0,6 30,24 €
Pflaster mit versiegelten Fugen 0,9 45,36 €

Das sind rund 15 € mehr im Jahr, Jahr für Jahr. Ändert sich der Versiegelungsgrad um mehr als 10 m², muss das in Bad Saulgau innerhalb eines Monats gemeldet werden. Andere Gemeinden haben eigene Faktoren, die stehen in der Abwassersatzung Ihrer Gemeinde.

Was kann man beim Verfugen falsch machen?

Die typischen Fehler passieren beim Einbau. Aus den Verarbeitungshinweisen der Hersteller ergeben sich diese typischen Fehler:

  1. Zu flache Fuge. Feste Fugen brauchen mindestens 30 mm Tiefe, bei befahrenen Flächen zwei Drittel der Steinhöhe. Alten Sand nur oben auszukratzen reicht nicht.
  2. Wurzeln und Erde in der Fuge lassen. Dann wächst aus dem Untergrund nach.
  3. Falsch vornässen. Die Fläche muss vorgenässt werden, in den Fugen darf aber kein Wasser stehen.
  4. Falsches Wetter. Kunstharzmörtel verlangen 5 bis 30 Grad, bei Dauer- oder Starkregen muss die frische Fuge etwa 24 Stunden geschützt werden. Zementmörtel nicht über 25 Grad, nicht bei Regen und nicht bei Zugluft verarbeiten.
  5. Festen Fugensand nur oberflächlich wässern. Dann entsteht laut Hersteller nur eine Kruste, darunter bleibt der Sand weich.
  6. Den Überschuss liegen lassen. Reste diagonal zur Fuge abkehren, solange sie sich noch lösen.
  7. Fasen zuschmieren. Auf abgeschrägten Kanten haftet das Material nicht sicher, die Fasen müssen frei bleiben.
  8. Angesteiften Mörtel wieder anrühren. Wer ihn mit Wasser verdünnt, verliert Festigkeit und Beständigkeit der Fuge.

Terrassenpflaster: Fugen versiegeln oder offen lassen?

Für die Terrasse gilt dasselbe wie für die Einfahrt: auf Splittbett keine dichte Fuge, dafür ein Gefälle vom Haus weg. Eine Ausnahme sind dünne Keramik- und Feinsteinzeugplatten unter 3 cm Stärke. Sie müssen laut Herstellern in gebundener, wasserdurchlässiger Bauweise verlegt und die Fugen vollständig gefüllt werden. Für solche Beläge nennen Hersteller eine Mindestfugentiefe von etwa 20 mm.

Wie Sie zu einer festen und trotzdem offenen Fuge kommen

Auf einer alten Fläche liegt die eigentliche Arbeit vor dem Verfugen: Die Fugen müssen bis auf die nötige Tiefe ausgeräumt werden, samt Wurzeln. Bei einer Fugensanierung mache ich genau das und fülle danach mit der Wertfuge, die fest wird und Regenwasser durchlässt. Welche Materialien es für welche Fuge gibt, steht im Vergleich Fugensand oder Fugenmörtel. Was gegen das hilft, was schon in den Fugen wächst, im Ratgeber Unkraut aus Fugen entfernen.

Wie Ihre Fläche nach Reinigung und neuer Fuge aussieht, zeige ich Ihnen bei einer kostenlosen Musterprobe direkt bei Ihnen.

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Fazit

Eine dichte Fuge passt nur in eine gebundene Bauweise, und selbst die ist nie ganz wasserdicht. Auf Sand- oder Splittbett bringt sie Risse, schwierige Reparaturen und je nach Gemeinde eine höhere Gebühr. Was Sie eigentlich wollen, ist eine volle, feste Fuge, durch die das Wasser weiter versickert. Die lässt sich auch auf einer alten Fläche nachrüsten.

Häufig gestellte Fragen zu Pflasterfugen versiegeln

Lässt eine feste Fuge bei Starkregen genug Wasser durch?

Wasserdurchlässige feste Fugen sind genau dafür gemacht. Für einen festen Fugensand gibt der Hersteller bei 10 % Fugenanteil rund 19,2 Liter je Minute und Quadratmeter an. Damit das so bleibt, sollten die Fugen ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden, weil Erde und Laub die Poren zusetzen. Den größten Teil des Starkregens leitet ohnehin das Gefälle ab.

Hält eine feste Fuge Frost und Streusalz aus?

Die gängigen festen Fugen sind laut Herstellerangaben frost- und tausalzbeständig. Bei wasserdurchlässigen Flächen raten Betonsteinhersteller trotzdem von Tausalz ab, weil das versickernde Wasser direkt ins Grundwasser gelangen kann, und empfehlen Splitt als Streumittel. Für Ihre Fuge ist Salz also kein Problem, für das Grundwasser schon.

Darf ich feste Fugen mit dem Hochdruckreiniger sauber machen?

Das hängt vom Produkt ab. Fester Fugensand ist laut Hersteller für die Reinigung mit dem Hochdruckreiniger nicht geeignet. Manche Kunstharzmörtel gelten laut Hersteller als beständig. Ich rate trotzdem davon ab, weil der harte Strahl die Steinoberfläche aufraut. Ein Besen, Wasser und einmal im Jahr eine schonende Pflege reichen für eine feste Fuge.

Meine Mörtelfugen haben Risse. Was jetzt?

Risse in einer starren Fuge zeigen meist, dass sich die Steine darunter bewegen. Nur neuen Mörtel in den Riss zu streichen hält selten lange. Gelöste Steine werden aufgenommen, das Bett gerichtet und die Fuge neu aufgebaut. Ob dann wieder eine starre Fuge passt oder eine durchlässige feste Fuge die bessere Wahl ist, entscheidet der Aufbau darunter.

Quellen

  1. Godelmann GmbH & Co. KG: Hersteller- und Verlegehinweise (Terrassenplatten, Bauweisen, Winterdienst). godelmann.de
  2. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin: Arbeitspapier Pflasterbefestigungen in gebundener Bauweise, Ausgabe 2014. berlin.de
  3. Stadt Bad Saulgau: Satzung über die öffentliche Abwasserbeseitigung (Abwassersatzung) vom 22.11.2024, § 39a, § 41 und § 45. bad-saulgau.de
  4. ROMEX GmbH: Produktdatenblatt ROMPOX Ecofine. bobbie.de
  5. ROMEX GmbH: Produktdatenblatt ROMPOX Fugensand NP, Stand Januar 2024. bobbie.de
  6. Sievert Baustoffe (tubag): Technisches Merkblatt PFN Pflasterfugenmörtel, Stand 27.06.2024. res.cloudinary.com
  7. PCI Augsburg: Technisches Merkblatt Pavifix CEM, Zement-Pflasterfugenmörtel für Natursteinpflaster, 8/25. heinze.de
  8. Sievert Baustoffe (tubag): Technisches Merkblatt PFF Pflasterfugenmörtel, Stand 18.07.2023. res.cloudinary.com

Stand der Quellen: 28.10.2026

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